Museum Folkwang – Grafische Sammlung >>>

Ausstellung:

Catharina van Eetvelde

Freitag, 29. September 2017 – Sonntag, 14. Januar 2018

Die belgische Künstlerin Catharina van Eetvelde (* 1967 Gent) leistet seit vielen Jahren einen wichtigen Betrag zur Fortentwicklung des Mediums Zeichnung in die Gegenwart. Sie erweitert die überlieferte Methode des Zeichnens auf Papier um die Möglichkeiten, die die digitale Datenverarbeitung bietet und hat die Arbeit mit PC und Zeichen-Pad zu einem wesentlichen Bestandteil ihres Schaffens gemacht. Damit einher geht eine grundsätzliche Veränderung der Arbeitsweise: „To draw with vectors means for me that time and space collapse. Every line I draw becomes a potential fraction of time, which means that I can not only freely iterate back, forth, zoom etc. within a drawing, but also that a drawing's saturation is never reached.“ (Catharina van Eetvelde). Manchmal bilden die so entwickelten linearen Gebilde den Ausgangspunkt für animierte Filme, häufiger werden sie jedoch von der Künstlerin in einem langwierigen Arbeitsprozess präzise auf Papier übertragen.

Zeichnen ist für Catharina van Eetvelde nicht allein eine künstlerische Aktivität, sondern eine geistige Haltung, mit der sie sich in Beziehung zur Welt setzt. Ihr besonderes Interesse gilt dabei den Naturwissenschaften und ihrem Anspruch, die Welt zu erklären und Erkenntnis zu stiften.

Der scheinbar unantastbaren Autorität der Wissenschaft setzt van Eetvelde ihre Kunst entgegen, die wie ein chaotisches System weder steuerbar noch vorhersehbar ist.

Seit die Künstlerin sich im Jahr 2011 im Rahmen eines interdisziplinären Forschungsprojektes mit der Reaktorkatastrophe von Fukushima zu beschäftigen begann, rückte der Begriff der Materie ins Zentrum. Zeichnungen und Collagen kombiniert sie seither oft zu ganzen Assemblagen aus unterschiedlichsten Materialien. Dahinter steckt die Frage nach der Verbindung zwischen allen Dingen und Lebewesen. Sie benennt diese Ähnlichkeit oder Verwandtschaft mit dem altenglischen Begriff ilk, der dieser Ausstellung den Titel gab.

Die Künstlerin schafft Linien in allen erdenkbaren Formen: als Spuren, die sie auf Papier zieht; als Worte, die mit Faden auf Papier oder Filz gestickt sind; als lineare Aneinanderreihung von Materialien im Raum oder als geisterhafte, „digitale“ Linien, die kurz als Animation auf einem Bildschirm auftreten und gleich wieder verschwinden. Alle diese Zeichnungen vergegenwärtigen einen Prozess des Experimentierens, der mit der Beweglichkeit ihres Standpunktes einhergeht.

Die Ausstellung entstand in enger Zusammenarbeit mit der Künstlerin sowie in Kooperation mit dem Kunstmuseum Basel. Der begleitende Ausstellungskatalog ist im Kehrer Verlag, Heidelberg, erschienen.

Gefördert vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen

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