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Der Struwwelpeter: Zappel-Philipp, Paulinchen und Hanns Guck-in-die-Luft – Zwischen Faszination und Kinderschreck von Hoffmann bis Böhmermann

Sonntag, 22. September 2019 – Sonntag, 12. Januar 2020

„Sieh einmal hier steht er, Pfui! der Struwwelpeter!“ Viele Kinder sind mit diesem Satz, der die Erzählung vom Struwwelpeter einleitet, groß geworden. 1844 erfindet der Arzt Dr. Heinrich Hoffmann nicht nur die Geschichte vom Jungen, der sich weder die Haare kämmen noch seine Nägel schneiden lässt, sondern erdenkt zahlreiche weitere Figuren in diesem Stil. Neben Suppenkaspar und Hanns Guck-in-die-Luft prägt auch der Zappel-Philipp bis heute den deutschen Sprachgebrauch.

Warum ist der Struwwelpeter weltberühmt, obwohl es nicht nur unter dem Stichwort der schwarzen Pädagogik oft Kritik hagelte und zahlreiche Kinder nach der Gute-Nacht-Geschichte Angst um ihre Daumen hatten?

Zum einen erzählt erstmals ein Bilderbuch überhaupt Geschichten gezielt für Kinder. Zum anderen nutzt Hoffmann eine neue reduzierte und karikierende Bildsprache, die sich von den biedermeierlichen Sehgewohnheiten stark abhebt. Mit seinem erzählenden Bilderbuch erschafft er ein Werk, das seine Leser bis heute fasziniert und zugleich erschaudern lässt.

Das Buch inspiriert seit 175 Jahren Künstler zu eigenen Varianten dieses Klassikers. Überall lassen sich der Struwwelpeter, aber auch Paulinchen, Konrad, Hanns und Friederich wiederfinden – mal auf den ersten Blick, mal nach intensiver Betrachtung. Die Bildthemen sind bis heute hochaktuell und teilweise politisch.

In Hoffmanns Geschichte von den schwarzen Buben taucht der große Nikolas die fremdenfeindlichen Buben zur Strafe in ein großes Tintenfass. 2013 thematisiert Luise Bofinger den in dieser Geschichte dargestellten Rassismus eindringlich und mit unmissverständlicher Botschaft. Mangaka David Füleki hingegen verhilft dem Struwwelpeter und „der ganzen Bande“ gleich zu mehreren Auftritten in zwei unterschiedlichen Comics. Einmal als Remake der originalen Geschichte, einmal mit völlig neu erdachter Handlung. Reduziert und rein typografisch greift dagegen Hans Witte den Text von Heinrich Hoffmann auf und spricht damit nicht nur die bibliophilen Betrachter an. Mit pointiertem Humor setzt Anke Kuhl in ihrem Buch Lola rast gleich mehrere Kinder in Szene, die an alltäglichen Gefahren scheitern und verzweifeln, aber auch daran wachsen können: Malte erstickt im vollgerümpelten Spielzeugzimmer, Konstantin geht verloren und Lisa-ohne-Zahn hat zu viele Süßigkeiten genascht! Der Struwwelpeter und seine Kumpanen – sie alle leben weiter bis heute.

Vom Alltagsbezug zeugen zusätzlich kuriose Objekte, Merchandise und Schallplatten. Ein eigener Ausstellungsbereich zeichnet Hoffmanns Porträt nach und zeigt sein Wirken im Kontext mit dem Biedermeier.

Struwwelpetriaden – international, schrill, politisch, kitschig, daneben, pointiert, mal im Geiste Hoffmanns, zum Teil mit originalem Text, aber auch umgedichtet, neu erdacht, weitergeschrieben oder mit neuen Charakteren versehen.

Mehr als 200 Zeichnungen, Illustrationen, Gemälde, Bücher und Objekte unter anderem aus der facettenreichen und internationalen Sammlung Sauer veranschaulichen die Geschichte und Entwicklung des Themas. Wie aus dem Urstruwwelpeter der uns allen bekannte Struwwelpeter wurde und was Darth Vader oder Mark Twain damit zu tun haben, können BesucherInnen ab dem 22. September in der LUDWIGGALERIE entdecken.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog im Kerber Verlag, herausgegeben von Linda Schmitz und Christine Vogt, 128 Seiten, 29,80 €.

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