Kunstmuseum Reutlingen >>>

Ausstellung:

„… seine Zeit wird kommen“ – Wilhelm Laage. Retrospektive

Samstag, 27. Oktober 2018 – Sonntag, 06. Januar 2019

Wilhelm Laage wurde 1868 in Stellingen bei Hamburg geboren. Seinen 150. Geburtstag nimmt das Kunstmuseum Reutlingen / Spendhaus zum Anlass, das Werk dieses Künstlers aus dem eigenen umfangreichen Sammlungsbestand, ergänzt durch zahlreiche Leihgaben, auszubreiten und sein faszinierendes Œuvre dem Publikum neu vorzustellen.

Laage zählt zu jener legendären Künstlergeneration, die im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts den Holzschnitt für Europa als künstlerische Technik wiederentdeckt haben. Zuvor war der Hochdruck zu einem reinen Reproduktionsmedium des Buchdruckerhandwerks und Verlagswesens degeneriert.

Während heute Laages Werk weit weniger präsent ist als etwa die Holzschnitte von Paul Gauguin, Edvard Munch oder Félix Vallotton, erkannten die Zeitgenossen des Künstlers seine Bedeutung sehr wohl, was sich unter anderem in verschiedenen frühen Würdigungen äußert. 1901 erscheint beispielsweise einer der wegweisenden Zeitschriften des Wiener Jugendstils „Ver Sacrum“ ein Text zu Laage. Diesem ist mit Laages „Märchen“ erstmals in dieser Zeitschrift ein Original-Holzschnitt beigebunden. Im Winter 1906/07 war Laage neben Kandinsky einer der wenigen Gäste, die die Dresdner Künstlergruppe „Brücke“ zu ihrer wegweisenden Holzschnittausstellung einlud. 1912 widmete der Hamburger Sammler und Kunstschriftsteller Gustav Schiefler auch dem von ihm geförderten Wilhelm Laage ein Werkverzeichnis, ebenso wie zuvor verschiedenen Protagonisten der Moderne, etwa 1907 Edvard Munch und 1910 Emil Nolde.

In ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen, war Wilhelm Laage der Weg zur Kunst keineswegs vorgezeichnet. Jedoch ermöglichten ihm sein beharrlicher Enthusiasmus sowie Förderung durch wohlwollende Unterstützer ab 1893 ein Kunststudium in Karlsruhe und Stuttgart, bei dem er auch seine aus Reutlinger Bürgertum stammende zukünftige Frau Hedwig Kurtz kennenlernte. 1907 ließ er sich mit ihr in Reutlingen nieder, wo er bis zu seinem Tode 1930 dauerhaft lebte und arbeitete.

Die Ausstellung und der begleitende Katalog spannen den Bogen von Laages biografischen wie künstlerischen Anfängen bis zu seinem Lebensende. Um sein progressives Frühwerk in den künstlerischen Kontext seiner Zeit einordnen zu können, werden exemplarisch Arbeiten von Zeitgenossen gegenübergestellt. Geordnet nach Sujets wird darüber hinaus Laages künstlerisches Lebenswerk im Bereich Druckgrafik, Zeichnung und Malerei vorgestellt.

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