Stiftung Museum Schloss Moyland – Graphische Sammlung >>>

Ausstellung:

Der Große Krieg im Kleinformat. Graphik- und Medaillenkunst zum Ersten Weltkrieg

Sonntag, 17. Juni 2018 – Sonntag, 30. September 2018

Aus Laden ans Licht
Als „heimliche Künste der Schublade‟ waren Graphik- und Medaillenkunst eher als die offiziöse, häufig der staatlich gelenkten bzw. sanktionierten Propaganda verpflichteten Malerei akkreditierter Kriegsmaler geeignet, die wirklichen, die schrecklichen Seiten des Ersten Weltkriegs auch abseits öffentlicher Wahrnehmung in drastischer Weise zu thematisieren. Denn anders als großformatige Gemälde sind Graphiken, Medaillen und Plaketten jeweils nur durch den Einzelnen intensiv zu betrachten – etwas tendenziell Subversives zeichnet sie aus und der Kreis ihrer Sammler und Betrachter blieb stets ein kleiner.

Krieg der Bilder
Wie in früheren Kriegen wurde auch im Ersten Weltkrieg nicht zuletzt mit Worten und Bildern gestritten. Plakette und Medaille sind traditionell ein Medium politischer Propaganda und der Kommentierung von  Ereignissen. Da gerade in Deutschland und Österreich mit Kriegsausbruch 1914 eine nahezu inflationäre Flut der zumeist patriotischen Kleinreliefproduktion einsetzte, fokussiert die Ausstellung auf dem ganz anders gearteten, zumal künstlerisch singulären Beitrag von Ludwig Gies (1887–1966) – der Jahrzehnte später den Bundesadler schaffen sollte. Seine Werke übersetzen das aktuelle Geschehen oftmals ins Überzeitliche und sind zumeist mehr von menschlicher Anteilnahme als von forschem Patriotismus bestimmt.

Skepsis statt Propaganda
Neben das ebenso traditionelle illustrierte Flugblatt vergangener Jahrhunderte trat seit 1914 die Künstlergraphik als Bildbegleiter des Krieges. Zwar spiegeln manche der Blätter offizielle Propaganda wider oder dienten dieser gar, doch wurden nicht wenige durch die seinerzeitige Zensur mißbilligt. Auf jene höchst individuellen Interpretationen konzentriert sich die nach Themen geordnete Auswahl von gut 300 Werken der 137 Graphiker: Im motivisch-thematischen Spannungsfeld zwischen trügerischer Idylle, schonungslos-brutaler Realitätskolportage und sinnsuchender Deutung kollidiert Patriotismus mit Skeptizismus, trifft Militarismus auf wachsenden Pazifismus.

Aus Euphorie zur Depression
Eingangs des Krieges teilten die meisten Künstler die allgemeine Begeisterung, doch mit steigender Desillusionierung und Kriegsmüdigkeit mehrten sich kritische Bildbeiträge: Sie gaben bald Zeugnis einer persönlichen Betroffenheit zwischen bitterer Enttäuschung, fassungsloser Verzweiflung und zorniger Anklage – eine Welt und ein Weltbild brachen bis 1918 zusammen.

Kunst aus Mappen
Die Blätter aus dem Besitz von LETTER Stiftung stammen teils aus regelmäßig erschienenen Künstlerflugblättern, teils aus Gemeinschaftsmappen mehrerer Künstler, doch überwiegend aus jenen Zyklen, die einzelne Graphiker zum Krieg schufen. Geläufige Namen wie Otto Dix oder Max Beckmann wird man hier nicht finden, hingegen die kaum minder eindrucksvollen Äußerungen ihrer vielfalls vergessenen Kollegen. Zwar entstanden die weitaus meisten graphischen Zyklen in Deutschland, doch zeigt die Ausstellung auch Beispiele aus Frankreich und Belgien. Dass manche der Graphiker erst ab 1919 ihr erlittenes Kriegstrauma in gedruckten Zyklen zu bewältigen suchten, ist schlicht dem Umstand zuzuschreiben, dass im Schützengraben eben nicht zu radieren oder zu lithographieren, in Linol oder in Holz zu schneiden gewesen war. Besonders im deutschsprachigen Raum reflektierten sie überlieferte Motivwelten wie den Totentanz und bedienten sich der Allegorie. In Entsprechung zur gesteigerten inhaltlichen Emphase und emotionaler Erschütterung prägten vor allem in der Graphik expressionistische Stilmittel die künstlerische Ausdrucksform – umgekehrt bevorzugten die „milderen‟ Schilderungen des Zeitgeschehens eher tradierte Stilsprachen zwischen Naturalismus, Realismus und Impressionismus.

Brücke zur Museumssammlung:
Die Ausstellung knüpft an die zentralen, breit gefächerten Schwerpunkte expressionistischer Druckgraphik sowie Medaillen und Plaketten in der Sammlung des Museums Schloss Moyland an. Unter dem unmittelbaren Eindruck der Barbarei des Zweiten Weltkriegs begannen die Brüder Hans und Franz Joseph van der Grinten ihre Sammeltätigkeit. In den von ihnen gesammelten Druckgraphiken spiegelt sich unter anderem auch die Auseinandersetzung mit Krieg und Gewalt wider.

Begleitprogramm:
Jeden Sonn- und Feiertag, 14 Uhr, öffentliche Führungen
Kosten: 3 € zzgl. Museumseintritt

 

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