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Ausstellung:

»Die großen Menscheitsbilder eines Ketzers« - Christliche Themen im Werk HAP Grieshabers

Samstag, 16. Dezember 2017 – Sonntag, 08. April 2018

Zum Abschluss des Reformationsjahres 2017 präsentiert das Reutlinger Kunstmuseum über vier Etagen bedeutende Werke und Werkzyklen HAP Grieshabers zu christlichen Themenbereichen. Der Künstler entstammte einem pietistisch-protestantischen Elternhaus trat aber bereits in den 1930er-Jahren aus der Kirche aus. Dennoch setzte er sich ein Leben lang mit christlichen Bildstoffen auseinander und zeigte stets eine bemerkenswerte Offenheit gegenüber beiden Konfessionen.

Die Ausstellung will neben den Werken selber auch Entstehungskontexte mit den Auftraggebern, Räumlichkeiten oder zeitgeschichtlichen Ereignissen anhand künstlerischer Entwürfe und verschiedener Druckvarianten sowie Texten und Zitaten aufzeigen.

Erstmals ist im Kunstmuseum selbst der großformatige Holzschnitt „Weltgericht“ (1970) mit den beiden auf Resopal gedruckten Motiven „Adam“ und „Eva“ in der ursprünglichen Form des Triptychons präsentiert – so wie Grieshaber dies für den Sitzungssaal des Verteidigungsausschusses des Deutschen Bundestags in Bonn vorsah.

Mehrere Werkgruppen entstanden unmittelbar für katholische beziehungsweise evangelische Kirchenräume und oft in intensiver Zusammenarbeit mit Vertretern der jeweiligen Konfession. Den schönsten Ausdruck findet Grieshabers ökumenischer Ansatz vielleicht der Publikation zu seinen Kreuzwegen (1967 und 1969), für die sowohl der polnische Primas Stefan Wyszynski als auch der evangelische Theologe Jürgen Moltmann begleitende Meditationstexte beitrugen. Beide Kreuzwege werden erstmals vollständig und in der Möglichkeit des unmittelbaren Vergleichs im Kunstmuseum zu sehen sein, ergänzt durch noch nicht gezeigte Entwurfszeichnungen.

In HAP Grieshabers Frühwerk nehmen die Drucke der „Passion“ eine Schlüsselrolle ein. Das Kunstmuseum besitzt die vollständige Folge als von Hand kolorierte Schwarzlinien-Drucke, in denen sich Grieshabers intensives Studium der anonymen Drucke der Gotik spiegelt. „Zuvörderst musste ich am Beispiel der Gotik den freien Ort holen – frei um mich entwickeln zu können – den der Künstler in der Gesellschaft damals nicht mehr hatte.“

Grieshaber zeigte Zeit seines Lebens eine überraschende Affinität zur Darstellung der Madonna, so entstand 1975 eine kleine Serie zu Heines Gedicht „Die Wallfahrt nach Kevlaar“. Die Reutlinger Ausstellung stellt den fünf Drucken als Besonderheit die jeweiligen Entwürfe zur Seite.

Ein weiteres zentrales Thema im Werk des Holzschneiders sind Darstellungen von Engeln, die der Künstler nicht in der volkstümlichen Variante, sondern als Botschafter und Mahner für gesellschaftliche Anliegen auftreten lässt. Auch hier werden als Besonderheit noch nie gezeigte Entwürfe aus der Reihe „Engel der Geschichte“ zu sehen sein.

Zu der Ausstellung erscheint im Wasmuth Verlag Tübingen/Berlin ein Katalogbuch, in dem verschiedene Autoren die unterschiedlichen Aspekte des Ausstellungsthemas beleuchten.

 

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