Sprengel Museum Hannover – Grafische Sammlung >>>

Ausstellung:

KunstLandschaft – Naturwelten in der Kunst seit 1950

Mittwoch, 03. Juli 2019 – Sonntag, 06. Oktober 2019

Als Ausstellungsessay angelegt, beschäftigt sich „KunstLandschaft. Naturwelten in der Kunst ab 1950" mit dem Verhältnis von Kunst, Landschaft und Natur. Die Natur ist dabei selten unberührt geblieben, sondern meist kulturell geordnet und dienstbar gemacht worden. Eingegrenzt auf den Zeitraum von den 1950er-Jahren bis heute, in dem sich das Verhältnis zu Natur und Umwelt noch einmal deutlich wandelte, wird gezeigt, wie sehr unser Umgang mit der Natur von Widersprüchen geprägt ist, die sich auch in der Kunst widerspiegeln. Von Grethe Jürgens bis Heinrich Riebesehl, von Franz Gertsch bis Martha Rosler zeigt die Ausstellung eine fotografische und malerische Bildfolge, die sich mit Natur und Kunstlandschaft befasst.

Der Begriff Kunstlandschaft, der den künstlerischen Zugriff auf die Landschaft selbst umfasst, wird in der Ausstellung auf künstliche Landschaften ausgeweitet, wie sie aus außerkünstlerischen, d. h. ökonomischen Interessen in der Landwirtschaft entstehen und dann wiederum von Künstler*innen aufgegriffen zum zentralen Motiv der Kunst werden. Produkte dieser künstlichen Landschaften sind beispielsweise Kulturpflanzen.

Obwohl die Landschaft ein Teil der Natur ist, offenbart sie sich als künstliche, von Menschen gestaltete Naturfläche. Im Zentrum der Ausstellung steht die Beobachtung eines widersprüchlichen Umgangs mit der Natur, der sich auch in der Kunst widerspiegelt. Denn Natur ist für uns das Andere, das uns objektiv entgegentritt, dessen Anderssein aber in dem Maße verloren zu gehen scheint, je deutlicher das Eingreifen des Menschen an ihr sichtbar wird. Was bestimmt also unsere Wahrnehmung von Natur und Landschaft und des Gepflanzten allgemein?

Sensible Begegnungen mit und in der Natur spielen bei Sascha Weidners (1974 – 2015) Arbeiten eine zentrale Rolle. In seinen Fotografien begegnen dem Betrachter poetische Traumwelten der Natur. Nicht nur jugendliche Freiheitsgefühle drücken sich in ihnen aus, sondern auch melancholische Momente. Demgegenüber analysiert Martha Rosler (*1943) mit ihren Kurzfilmen („Backyard Economy I und II“/ „Flowerfields“) romantische Blumenfelder und Vorstadtgärten als verborgene soziale Unterdrückung in Alltag, Geschlecht und Klasse. Alfred Manessier (1911 – 1993) vereint in seiner Malerei Naturerscheinungen mit religiösen Bildmotiven. Er sah in der Natur das vergegenständlichte Wort Gottes, das zugleich ein Gefühl religiöser Erhebung erfahrbar machen sollte.

Die Zerstörung der Welt durch den Menschen ist eines der zentralen Themen in János Nádasdys (*1939) künstlerischem Schaffen. In dem Werk „Wachstum“, befasst sich der Künstler mit dem Thema der Naturzerstörung durch Energiewirtschaft. Heinrich Riebesehl (1938 – 2010) setzt sich in der Serie „Agrarlandschaften“ hingegen mit der norddeutschen Kulturlandschaft auseinander, eine Landschaft, die durch den menschlichen Arbeitsprozess entstanden ist und durch ihn charakterisiert wird. Claus Goedicke (*1966) wirft demgegenüber einen genauen Blick auf eine Tulpe. Als Teil der Serie „Dinge“ stellt sich die Frage, wie diese Kulturpflanze wahrgenommen wird.

Mit insgesamt 17 Werken aus der Sammlung des Sprengel Museum Hannover wird eine Vielfalt der künstlerischen Auseinandersetzungen mit Natur und Umwelt seit 50 Jahren präsentiert, von einer romantisierenden, poetischen und religiösen bis hin zu einer gesellschaftskritischen oder politischen Perspektive.

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