Sprengel Museum Hannover – Grafische Sammlung >>>

Ausstellung:

100 Jahre Merz. Kurt Schwitters. Crossmedia

Mittwoch, 29. Mai 2019 – Sonntag, 06. Oktober 2019

2019 feiert das Sprengel Museum den 100. Geburtstag von Merz mit einer Ausstellung, die in zehn Räumen über 200 Exponate versammelt und die crossmediale Merzkunst in all ihrer Breite und Vielfalt präsentiert. Selten gezeigte Werke, Texte und Töne aus den umfangreichen Sammlungsbeständen zu Kurt Schwitters und seinen internationalen Weggefährt*innen, darunter Hans Arp, Hannah Höch, El Lissitzky und Käte Steinitz, werden gemeinsam mit ausgewählten Leihgaben gezeigt. Das gattungsübergreifende Schaffen des hannoverschen Merzkünstlers wird zudem in Bezug gesetzt zu der von ihm zwischen 1923 und 1932 herausgegebenen Zeitschrift „Merz“, die aktuell erforscht und neu ediert wurde.

Die Silbe ‚Merz‘ bestimmte Schwitters 1919 zur Wortmarke seiner Ein-Mann-Bewegung. Fortan nutzte er sie für die Benennung, das Ordnen sowie zur Propagierung seines vielfältigen Schaffens in allen Bereichen der Kunst und Literatur, der Typografie und der performativen Aktivitäten. Der Begriff steht für ein Konzept größtmöglicher Vorbehaltlosigkeit und künstlerischer Freiheit in der Wahl der Ausdrucksmittel. Die Merzkunst ist abstrakt und zeichnet sich durch das Verfahren der Montage aus. In der Zeitschriftenreihe „Merz“, einem Kristallisationspunkt von Schwitters‘ Schaffen, spiegeln sich inhaltlich wie strukturell die künstlerischen Interessen und Verfahrensweisen wider. Viele der insgesamt 17 erschienenen Ausgaben entstanden in enger Zusammenarbeit mit weiteren Protagonist*innen der Avantgarde und widmen sich mittels Texten, Bildreproduktionen, einer Grammophonaufnahme und originaler Druckgrafik einer großen Vielfalt an Themen: Merz und Dada, i-Kunst, Arpaden, Internationaler Stil, Natur und Kunst, Reklamegestaltung, Großstadtarchitektur, Märchen sowie Lautpoesie. In der Zeitschrift abgedruckt sind u. a. Kunstmanifeste und „Banalitäten“, der früheste Text zum „Merzbau“ in Hannover und die „Ursonate“. Darin vorgestellt werden zeitgenössische abstrakte Gemälde und Plastiken, experimentelle Fotografien, Beispiele des Neuen Bauen und der neuen Typographie der 1920er Jahre.

Angelehnt an diesen thematischen Schwerpunkten eröffnet die Ausstellung einen Parcours, der die unterschiedlichen Verfahren und stilistischen Wandlungen der Merzkunst vor Augen führt. In der Gegenüberstellung mit Werken von Künstler*innen wie Piet Mondrian, Hannah Höch und László Moholy-Nagy zeigt sich zudem, wie die Merzkunst innerhalb der europäischen Avantgarde vernetzt war und sich als vermittelndes Prinzip zwischen Dada und Konstruktivismus international positionierte: „Merz will die Mitte, will vermitteln, will so viel als möglich künstlerische Gestaltung hinüberretten in den allgemeinen Stil,“ wie Schwitters 1923 im Merzheft 6 verkündete.

In der Ausstellung kann man die neue wissenschaftliche Hybrid-Edition der Reihe „Merz“ kennenlernen, die in Kooperation mit der Bergischen Universität Wuppertal und dem Trier Center for Digital Humanities entstand (gefördert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft):

Kurt Schwitters. Die Reihe Merz 1923–1932, hrsg. von Ursula Kocher und Isabel Schulz, Kurt und Ernst Schwitters Stiftung in Kooperation mit dem Sprengel Museum Hannover; bearbeitet von Annkathrin Sonder und Antje Wulff, (Reihe: Kurt Schwitters. Alle Texte, Bd. 4), Berlin: De Gruyter 2019.

Anlässlich des Merz-Jubiläums und der Veröffentlichung dieses Editionsbandes findet im Sprengel Museum Hannover am 5/6. Juli 2019 ein internationales Schwitters-Symposium statt.

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