Glossar

Das Glossar erklärt eine Auswahl aus einer großen Vielzahl an Begriffen, die in der Fachliteratur Verwendung finden. Mit dem Kürzel „s.“ für „siehe“ wird auf die Erklärung eines Wortes verwiesen, die auch das genannte Wort berücksichtigt. Ein kursiv gesetztes Wort verweist auf einen eigenen erklärenden Text zum betreffenden Begriff. Am Schluss des Glossars befinden sich Hinweise auf weiterführende Literatur zum Thema.
Autor: Erik Schönenberg

Abzug 
s. Auflage

Acryl
Bei Acrylfarbe werden die Farbpigmente mit Kunststoffdispersionen gebunden. Durch das Verdunsten des Wasseranteils trocknet Acrylfarbe, i. Ggs. zu Ölfarben, schnell auf und bildet eine deckende, leicht glänzende Oberfläche. Da sie zudem mit Wasser verdünnbar ist, kann sie auch anstelle von wasserlöslichen Farben, wie z. B. Aquarell, bzw. in denselben Techniken, wie Lavieren und Lasieren, angewandt werden. Je nach Dichte des Materials und dessen Verdünnung wird die Farbe mit Pinsel oder Spachtel aufgetragen. 

Aquarell
Beim Aquarell werden die Farbpigmente mit Gummi Arabicum gebunden und sind wasserlöslich. Aquarell wird mit Wasser verdünnt und bildet einen nicht deckenden, transparenten Auftrag, durch den der Malgrund sichtbar bleibt. Beim Auftrag werden vor allem zwei Techniken, das Lavieren und das Lasieren, unterschieden. Aquarell wurde bereits für die Kolorierung von Federzeichnungen und Holzschnitten verwendet; als eigenständige Form findet sich das Aquarell in der Frührenaissance und später vor allem im 18. Jh.

Aquatinta
Die Aquatinta ist eine Variante der Radierung, d. h. ein Ätzverfahren, bei dem durch Säure (ital. „aqua fortis“) ein dunkler (ital. „tinta“) Ton entsteht. Vergleichbar des Schabverfahrens beim Hochdruck, ist Aquatinta ein Tiefdruckverfahren, mit dem Flächen erzeugt werden. Da bei breiten vertieften Flächen die Farbe nicht haften bleiben würde, wird die Druckplatte durch Bestäuben mit Körnern aufgeraut. In einem Staubkasten wirbelt man Asphalt- oder Harzpulver auf, das sich auf der Druckplatte absetzt und anschließend durch Erhitzen angeschmolzen wird, damit es haften bleibt. Im Säurebad wird die Platte rings um die Körner geätzt und erhält dadurch eine raue Oberfläche. Um Halbtöne zu erzeugen, werden hellere Stellen abgedeckt und die nicht abgedeckten in mehreren Stufen wiederholt geätzt. Aufgrund der größeren Tiefe bleibt mehr Farbe haften und der Abdruck wird an diesen Stellen dunkler. Jedoch weist die Aquatinta keine stufenlosen Modulationen auf; die verschiedenen Töne liegen vielmehr nebeneinander.

Ätzverfahren
s. Tiefdruck

Auflage
Das einzelne, gedruckte Blatt bezeichnet man als Abzug. Die gedruckte Menge aller Abzüge ist die Auflage. In der Regel werden die Abzüge durch Angabe der Blattnummer und der Auflagenhöhe nummeriert. 10/100 bezeichnet den zehnten Druck bei einer Auflage von 100 Exemplaren. Die Höhe der Auflage ist auch ein Qualitätsmerkmal. Bei hohen Auflagen werden die späteren Drucke durch Abnutzung des Druckstocks qualitativ schlechter. Zudem steigert eine geringe Auflage den Wert der Abzüge. Hinzu kommen möglicherweise ein oder mehrere Probedrucke, die vom Original abweichen können und deshalb oft Aufschluss über die Entstehung und die Arbeitsweise geben. Probedrucke werden mit PA oder „Épreuve d’essais“ (franz. f. Probeabzug) bezeichnet und ggf. mit römischen Ziffern nummeriert. Dies gilt auch für Abzüge für den Künstler, welche mit E. A. („Épreuve d’artiste“, franz. f. Künstlerabzug), h. c. („hors de commerce“, franz. f. nicht für den Handel) oder A. P. („artist’s proof“, engl. f. Künstlerabzug) gekennzeichnet werden.

Bister
s. Tinte

Bleigriffel
s. Metallstift

Bleistift
Der Bleistift, dessen Name vom Bleigriffel (s. Metallstift), der aus Blei und Zinn besteht, abgeleitet wurde, ist nicht aus Blei, sondern eine Weiterentwicklung des Graphitstifts. Der Graphitstift wird aus kristallisierten kohlenstoffhaltigen Mineralblöcken geschnitten und zeigt in der Anwendung einen schwarzen Strich mit einem leicht metallenen Glanz. Je nach Qualität lassen sich auch natürliche Verunreinigungen erkennen. Graphitzeichnungen und -schriften sind bereits seit Anfang des 15. Jhs. bekannt, fanden aber, aufgrund des teuren Materials, keine weite Verbreitung. Dies änderte sich ab 1790 mit den Entdeckungen von J. Hardtmuth und N.-J. Conté, die Graphit mit Ton mischten und dadurch Härtegrade – heute eingeteilt von H (hart) über HB bis B (weich) – sowie Farbeigenschaften bestimmen konnten. Später wurde die Holzfassung eingeführt und der natürliche Graphit durch synthetischen ersetzt. Vergleichbar ist der seit dem 19. Jh. verbreitete Buntstift, bei dem Farbpigmente mit Bindemitteln vermengt und zu Minen gepresst werden.

Blockbuch
s. Holzschnitt

Buntstift
s. Bleistift

Camaieudruck
s. Clair-obscur

Clair-obscur
Clair-obscur, auch Chiaroscuro (franz., ital. f. Hell-dunkel), ist eine seit dem 16. Jh. verbreitete Methode des Hochdrucks, um die Tonmodulation des Holzschnitts zu erweitern. Der Unterschied zum Holzschnitt liegt in der Verwendung zweier Druckplatten, einer Strichplatte für die Umrisse bzw. Linien und einer Tonplatte für die Flächen. Dadurch ist es möglich, den Druck um verschiedene Flächentöne und Glanzlichter zu bereichern. In der Verwendung mehrerer Druckplatten ist das Clair-obscur mit dem Farbholzschnitt vergleichbar; Ziel ist jedoch allein ein differenzierter Hell-dunkel-Effekt. Zusätzlich wird das Clair-obscur oft auf farbigen Papieren gedruckt. Eine Variante ist der Camaieudruck. Hier wird in der Regel keine Strichplatte verwendet, um durch Flächentöne, die nebeneinander gedruckt werden, eine malerische Wirkung zu erzielen.

Crayon-Manier
Crayon-Manier, auch Kreidemanier, ist ein Tiefdruck und eine Variante der Radierung zur Reproduktion von Kreidezeichnungen. Hierzu benutzt man spezielle Werkzeuge (Roulette, Echoppe, Mattoir), die kleine Spitzen und Kerben aufweisen. Die Linien sind dadurch nicht geschlossen, sondern bestehen aus lauter kleinen Punkten. Analog funktioniert die Punktiermanier. Hier werden nicht Linien, sondern ganze Flächen perforiert und anschließend geätzt. Durch die Anordnung und Dichte der Perforation wird unterschiedlich viel Farbe aufgenommen, wodurch beim Druck verschiedene Tonwerte entstehen.

Druckgrafik
Mit Druckgrafik werden alle Grafiken bezeichnet, die durch drucktechnische Vervielfältigung zustande kommen. Sie werden durch das angewandte Druckverfahren (Hochdruck, Tiefdruck, Flachdruck, Durchdruck bzw. Siebdruck), durch die Bearbeitung, d. h. ob sie gestochen oder geätzt werden (vgl. Tiefdruck), und durch das Material des Druckstocks, wie z. B. Holz, Kupfer oder Metall, unterschieden. Zu den wichtigsten Verfahren gehören: Holzschnitt, Kupferstich, Radierung, Aquatinta und Lithografie. Druckgrafische Erzeugnisse erfuhren vor allem durch die Erfindung und Produktion des Papiers als Trägermaterial eine hohe Verbreitung. Dabei dienten sie zunächst der Reproduktion von Zeichnungen und Gemälden, bevor sie auch als eigenständige Arbeiten angefertigt wurden. Letztere werden als Originalgrafik bezeichnet. Damit ist nicht gemeint, dass nur ein Unikat existiert, sondern dass die Idee und deren Umsetzung einmalig sind, die jeweilige Technik also für einen künstlerischen Ausdruck eingesetzt wird. Hingegen wird bei der Reproduktionsgrafik (s. Grafik) ein bereits vorhandenes Kunstwerk übertragen.

Druckplatte
s. Druckstock

Druckstock
Von dem Druckstock, auch Druckplatte oder Druckform, wird die Zeichnung mittels Farbe auf den Druckträger, meist Papier, gedruckt. Der Druckstock kann, abhängig von dem jeweiligen Druckverfahren, aus unterschiedlichen Materialien sein, so z. B. bei der Lithografie aus Kalkstein, beim Kupferstich aus Kupfer.

Durchdruck
s. Siebdruck

Einblattdruck
s. Holzschnitt

Farbholzschnitt
Der Farbholzschnitt (Hochdruck) unterscheidet sich vom einfarbigen Holzschnitt durch die Verwendung mehrerer Druckstöcke, mit denen die verschiedenen Farben nacheinander aufgedruckt werden. Dementsprechend weisen die einzelnen Druckstöcke nur dort Erhöhungen auf, wo dieselbe Farbe auf dem Bild erscheinen soll. Dabei muss sehr präzise gearbeitet werden, damit die Farben korrekt übereinander und nebeneinander liegen (Passung und Schließung). Der Farbdruck wurde durch das Verfahren erheblich vereinfacht und rationalisiert. Vorher ließen sich farbige Schnitte nur als Unikate herstellen, indem der Druckstock mehrfarbig gefasst oder jedes Blatt von Hand koloriert wurde.

Feder
Die Feder ermöglicht – abhängig vom Material, vom Zuschnitt und vom ausgeübten Druck – zahlreiche Varianten von dünnen Strichen bis zu malerischer Breite. Bei Naturfedern unterscheidet man in der Regel zwischen Rohrfedern aus Schilfrohr oder Bambus. Sie weisen einen breiten Strich auf und waren schon in der Antike bekannt. Seit dem 12. Jh. werden vor allem Vogelfedern benutzt, die leichter und beweglicher in der Anwendung sind; seltener finden sich auch Federn aus Holz. Seit dem 19. Jh. werden Federn aus Metall in unterschiedlichen Breiten und Härten industriell hergestellt. Oft wird die Federzeichnung auch mit anderen Techniken, wie z. B. Lavierungen, kombiniert. Da es sich um ein übertragendes Mittel handelt – i. Ggs. zu sog. selbstzeichnenden Mitteln wie z. B. Kohle oder Bleistift – benötigt man eine färbende Flüssigkeit wie Tinte bzw. Tusche.

Federlithografie
s. Lithografie

Fettkohle
s. Kohle

Flachdruck
Beim Flachdruck liegen die druckenden und nichtdruckenden Flächen – i. Ggs. zum Hoch- oder Tiefdruck – auf einer Ebene. Er beruht auf der gegenseitigen Abstoßung von Fett und Wasser, sodass Farbe stellenweise aufgenommen oder abgestoßen wird. Zu den Flachdruckverfahren gehören insb. Lithografie, Lichtdruck und Offsetdruck.

Frottage
s. Reibedruck

Gouache
Gouachefarbe besteht aus Farbpigmenten, die mit wasserlöslichen Bindemitteln vermengt werden. Sie kann deshalb in verschiedenen Techniken (vgl. Lavieren und Lasieren) bzw. Zuständen, wie pastos oder verdünnt, aufgetragen werden, um unterschiedliche Oberflächen- und Farbwirkungen zu erzielen. Zudem lassen sich die Farben nach dem Auftrag verändern oder entfernen. Da den Farbpigmenten bei der Verarbeitung Kreide zugesetzt wird, handelt es sich – i. Ggs. zu Aquarell – um halbdeckende oder deckende Wasserfarben. Für weiße oder lichte Stellen wird in der Regel der Papiergrund ausgespart oder Deckweiß verwendet, letzteres auch zum Aufhellen der Farbtöne.

Grafik
Grafik ist ein Sammelbegriff für alle künstlerischen und technischen Zeichnungen sowie für Erzeugnisse der Druckgrafik, umfasst also eigentlich alle nicht-malerischen Verfahren. Gemeinsame Basis der Grafik ist das Papier als Bildträger, welches in grafischen Sammlungen aufgrund der konservatorischen Ansprüche zusammengefasst wird. Im engeren Sinne sind mit Grafik nur alle druckgrafischen Erzeugnisse gemeint, um das technische Verfahren der Vervielfältigung von der Zeichnung zu unterscheiden.

Graphitstift
s. Bleistift

Hochdruck
Als Hochdruck werden alle Verfahren bezeichnet, bei denen die erhöhten Flächen mit Farbe eingestrichen und so auf dem Bildträger als Abdruck sichtbar werden. Zu den Hochdruckverfahren gehören insb. Clair-obscur, Holz- und Farbholzschnitt, Holzstich, Linolschnitt, Metallschnitt, Reliefdruck, Schrotschnitt und Zinkätzung. Die Verfahren werden als Schnitte oder Ätzung bezeichnet, da die nicht zu druckenden Teile aus dem Druckstock herausgeschnitten bzw. weggeätzt werden. Im umgekehrten Fall spricht man von Tiefdruck (vgl. Druckgrafik).

Holzschnitt
Beim Holzschnitt (Hochdruck) ist der Druckstock meist aus Holz von Obstbäumen, da dieses wenig porös ist und eine kurze Maserung aufweist. Die Bretter werden in Längsrichtung mit der Faser geschnitten, geschliffen sowie grundiert und die Zeichnung dann aufgetragen. Zuerst werden die nicht zu druckenden Elemente mit scharfen Messern oder Hohleisen entfernt und anschließend die hoch stehenden Teile mit Farbe bestrichen. Das – im Verhältnis zum Abdruck – spiegelverkehrte Bild kann nun auf Papier gedruckt werden. Der Abdruck erfolgte zunächst als Reibedruck, seit ca. 1450 durch manuelle Druckpressen. Beim Holzschnitt sind Auflagen bis zu 1000 Exemplaren möglich, danach weist der Druckstock qualitätsmindernde Abnutzungen auf. Eine Ausnahme bildet der Holzstich.
Während der Holzschnitt in China bereits seit 870 nachgewiesen ist, verbreitet er sich in Europa ab 1400. Frühere Drucke finden sich als einmalige Ausführung – und nicht als Auflage – in illuminierten Handschriften oder als Einblattdrucke, die oft von Hand koloriert wurden. Die Einblattdrucke, auch Einblattholzschnitte genannt, sind nur einseitig bedruckt und wurden im Reibedruckverfahren hergestellt. Als Motive sind vor allem Spielkarten und Andachtsbilder für den privaten Gebrauch bekannt. Bei gebundenen Einblattdrucken spricht man von Blockbüchern. Der eigentliche Buchdruck entstand um 1450 mit der Erfindung beweglicher Lettern durch Johannes Gutenberg, bei dem einzelne Teile, wie Schrift und Illustrationen, unabhängig voneinander gefertigt und in einem Rahmen zusammengesetzt wurden. Im 17. Jh. verliert der Holzschnitt, vor allem in seiner Funktion für die Reproduktionsgrafik, durch den Gebrauch des Kupferstichs an Bedeutung; eine Neubelebung erfuhr er gegen Ende des 19. Jhs. durch den modernen Farbholzschnitt.

Holzstich
Eine Variante des Holzschnitts ist der Holzstich, für den quer zur Faser geschnittenes Holz, sog. Hirnholz, verwendet wird, welches Stahl und Kupfer in seiner Härte übertrifft und somit hohe Auflagen ermöglicht. Die Platte wird, wie beim Kupferstich, vor allem mit dem Stichel bearbeitet und ermöglicht so feine Linien- und Schraffurdarstellungen. Um 1770 von dem englischen Kupferstecher Thomas Bewick entwickelt, diente der Holzstich im 19. Jh. vor allem zur Reproduktion für die illustrierte Presse wie zur Verbreitung zeitgenössischer Kunst, bis er Ende des 19. Jhs. durch fotografische Techniken abgelöst wurde.

Illustration
s. Zeichnung

Kaltnadeltechnik
Bei der Kaltnadeltechnik (Tiefdruck) wird mit einer Stahlnadel auf die Kupferplatte gezeichnet. Beim Einkratzen bleibt – i. Ggs. zum Kupferstich – der Grat stehen, wodurch beim Druck die typische unscharfe, verschattende Linie entsteht. Aufgrund des Grates darf beim Pressen nur ein geringer Druck ausgeübt werden, die Auflagenhöhe (s. Auflage) ist dementsprechend gering. Allerdings ist mit der Nadel ein einfacheres und spontaneres Fertigen der Zeichnung möglich. Die Kaltnadeltechnik wird oft in Kombination mit anderen Techniken, wie der Radierung, angewandt.

Kohle
Die Kohle, gewonnen aus der Verkohlung, d. h. durch Verbrennen von Holz, zählt vermutlich zu den ältesten Zeichenmitteln. Ihr Gebrauch verbreitet sich aber erst gegen Ende des 15. Jhs. mit der Möglichkeit, die Zeichnung durch leimgetränktes Papier und Wasserdampf (heute durch Aufsprühen von Schellackfixativ) zu fixieren. Der Strich ist – im Vergleich zur Kreide – eher matt und grau. Die Kohle erlaubt differenzierte Zeichnungen von dünnen bis breiten Linien und kann zur Modulation von hellen und dunklen Flächen verwischt werden. Zur einfacheren Verwendung wird die Kohle heute erst pulverisiert und dann mit dem Zusatz von Bindemitteln zu Stiften gepresst. Eine um 1550 entstandene Variante ist die Öl- oder Fettkohle, bei der der Stift in Leinöl getränkt wurde. Dadurch ließen sich breite sowie satte schwarze Striche zeichnen und es wurde kein Fixativ mehr benötigt. Allerdings war die aufgetragene Zeichnung nicht mehr zu korrigieren und hinterließ vergilbende Fettränder auf dem Papier.

Kreide
Bei den Kreidearten unterscheidet man zunächst zwischen Natur- und Kunstkreiden. Naturkreiden, auch Steinkreiden genannt, sind seit dem 14 Jh. in Gebrauch und bestehen aus kohlehaltigem Tonschiefer, der entweder geschnitten oder pulverisiert und gepresst wird. Kunstkreide, auch Pariser Kreide genannt, besteht aus gebundenem Lampenruß und löst die Naturkreide seit dem 17. Jh. ab. Die Kunstkreide ist vielseitiger einsetzbar. Sie weist eine tiefschwarze Färbung und eine große Spanne an Härtegraden auf, weshalb sie sich sowohl für lineare Gestaltungen wie für plastische Modellierungen und unterschiedliche Tondarstellungen einsetzen lässt. Durch die weite Verbreitung als Zeichenmittel finden sich bereits seit dem 15. Jh. zunehmend verschiedene Erweiterungen der Technik, zum einen durch den Gebrauch farbigen Papiers, zum anderen durch Kombination verschiedener Techniken. Zu den Kreiden zählen auch der Rötel, das Pastell und weiße Kreide. Die Weißkreide, aus Kalk, Speckstein oder Gips gefertigt, findet man meist in Verbindung mit schwarzer Kreide oder Rötel, insb. zur Gestaltung von hellen Partien und zur Setzung von Lichtern. Häufiger ist der Einsatz von Weißkreide bei farbigen Papieren, da hier weiße Stellen der Zeichnung nicht durch Freilassen des Papiers entstehen.

Kreidelithografie
s. Lithografie

Kreideverfahren (Kreidemanier)
s. Crayon-Manier

Künstlerabzug
s. Auflage

Kupferstich
Der Kupferstich (Tiefdruck) entstand um 1450 aus der Tradition der Gravur bzw. dem Schmiedehandwerk. Insb. die Technik des Niello weist zahlreiche Ähnlichkeiten auf, auch wenn sich der Kupferstich nicht direkt daraus entwickelt hat. Hierbei handelt es sich um gravierte Metallplatten, die von Goldschmieden angefertigt wurden. Um Muster und Vorlagen zu sammeln, wurden die Platten teilweise auch abgedruckt, indem man die Vertiefungen mit Farbe füllte.
Beim Kupferstich wird die Zeichnung meist mit einem Grabstichel in die Kupferplatte geritzt. Durch Winkel und Druck können die Linien schmaler oder breiter bzw. tiefer gestochen werden, wodurch die typischen an- und abschwellenden Linien (Taillen) entstehen, die – durch das An- und Absetzen der Werkzeuge – flach anfangen und enden. Zudem können unterschiedliche Modulationen und Halbtöne durch Schraffuren (Parallel-, Kreuz- und Punktschraffur) erzielt werden. Um schwingende Linien zu stechen, wird der Druckstock auf einem Kissen gelagert und ist so beweglich. Nach der Bearbeitung wird er mit Farbe bestrichen und wieder gereinigt bzw. gewischt, sodass nur die gefüllten Furchen durch mechanisches Pressen auf dem Papier abgedruckt werden. Je nachdem wie stark oder wenig die Platte von der Farbe gewischt wird, weist das Bild auch einen Plattenton auf, der vor allem im 19. Jh. dem weißen Papier vorgezogen wurde. Durch den differenzierten Gestaltungsreichtum der Zeichnung wurde der Kupferstich zunächst vor allem für die Reproduktionsgrafik (s. Grafik) eingesetzt. Durch das Verfahren, die Metallplatten weichzuglühen und nach dem Auftrag der Zeichnung wieder zu härten, verbreitete sich im 17. Jh., als Variante des Kupferstichs, der Stahlstich. Stahlstiche wurden vor allem für kommerzielle Buchillustrationen und Reproduktionen eingesetzt, da sie aufgrund der Härte der Druckplatte eine geringe Abnutzung aufweisen und dadurch eine höhere Auflage ermöglichen.

Lasieren
Beim Lasieren sind die Farben nicht deckend, sondern transparent. Sie werden in dünnen Schichten aufgetragen und bilden einen lichtdurchlässigen Film auf dem Malgrund. Um dunklere Flächen oder Farbmischungen zu erhalten, werden weitere Farbschichten übereinander gelegt.

Lavieren
Beim Lavieren (lat. f. waschen) wird die Farbe punktuell aufgetragen und anschließend mit einem feuchten Pinsel auf dem Malgrund verteilt. Eine Variante der Lavierung ist das sog. Nass-in-Nass Verfahren, bei dem die Farbe auf einen feuchten Malgrund oder auf eine noch nicht getrocknete Farbe aufgetragen wird.

Lichtdruck
Der Lichtdruck (Flachdruck) beruht auf der Lichtempfindlichkeit von mit Bichromat behandelter Gelatine, die auf eine Glasplatte aufgetragen und getrocknet wird. Beim Trocknen bildet sich durch das aufsteigende Wasser eine feine runzelige Oberfläche. Durch die Belichtung wird die Gelatineschicht – je nach Lichtstärke – verhärtet. Die gehärteten Stellen nehmen weniger Wasser bzw. mehr Farbe auf und werden beim Druck dunkler, hingegen nehmen die weniger belichteten mehr Wasser und weniger Farbe auf, sie werden heller gedruckt. Dass Mitte des 19. Jhs. entwickelte Verfahren wurde nach dem Zweiten Weltkrieg durch den einfacheren sowie günstigeren Offsetdruck abgelöst und nur noch selten angewandt. Allerdings werden beim Lichtdruck die Halbtöne nicht in Rasterpunkte zerlegt, deshalb ist eine sehr detailreiche und annähernd originalgetreue Wiedergabe möglich.

Linolschnitt
Der Linolschnitt (Hochdruck) ist eine Variante des Holzschnitts, welcher mit der Entwicklung des Linoleums um 1900 entstand. Da das Linoleum weicher ist, lässt es sich einfacher bearbeiten und eignet sich besonders zur Wiedergabe schwingender Liniengefüge. Ästhetisch bildet es damit einen Gegensatz zum eher kantigen Holzschnitt.

Lithografie
Bei der Lithografie (Flachdruck), auch Steindruck („Lithos“, griech. f. Stein) genannt, wird als Druckstock feinporiger, kalkhaltiger präparierter Stein verwendet, der Fett und Wasser aufnehmen kann. Auf diesen Stein wird mit einer fetthaltigen Farbe gezeichnet; je nach Zeichnungsmittel unterscheidet man zwischen Kreide-, Pinsel- oder Federlithografie. Die freien Stellen hingegen werden zusätzlich behandelt, um Wasser aufzunehmen, da die Druckfarbe vom Wasser abgestoßen wird und so nur auf den gezeichneten Stellen haften bleibt. Ende des 18. Jhs. von Aloys Senefelder erfunden, verbreitete sich die Lithografie vor allem aufgrund des – i. Ggs. zum Schneiden oder Ätzen – einfachen Aufbringens der Zeichnung. Die Lithografie ermöglicht die Anwendung und den Druck zahlreicher Techniken, wie z. B. Zeichnen, Lavieren oder Radieren sowie großflächigen und mehrfarbigen Druck. Zudem können die Steine nach entsprechender Behandlung auch belichtet werden (vgl. Lichtdruck). Für farbige Lithografien werden, wie in anderen Druckverfahren (vgl. Farbholzschnitt), die einzelnen Farben nacheinander von verschiedenen Steinen gedruckt. Da Steine als Druckstöcke schwerer sind, wurde das Verfahren später für Metallplatten adaptiert (Metallplattendruck) und bildete die Grundlage für den Offsetdruck.

Metallschnitt
Beim Metallschnitt (Hochdruck) besteht der Druckstock aus einer Metallplatte, die meistens graviert oder punziert wird, d. h. die frei bleibenden, nicht zu druckenden Elemente der Zeichnung werden in das Metall geritzt oder geschlagen. Eine Variante des Metallschnitts ist der Schrotschnitt. Durch punktförmiges Einschlagen von Löchern oder Rosetten können verschiedene Flächenmuster, z. B. für Hintergründe, erzeugt werden, die durch den Druck als weiße Punkte auf Schwarz erscheinen (vgl. Punzenstich). Metall- und Schrotschnitte waren in Deutschland besonders in der zweiten Hälfte des 15. Jhs. im Niederrheinischen und Kölner Raum verbreitet.

Metallstift
Metallstifte finden sich schon in der Antike und waren bis ins hohe Mittelalter weit verbreitet. Gezeichnet wurde auf Holztafeln oder Pergamenten mit einem Bleigriffel oder einem Silberstift. Bleigriffel ließen sich leicht und günstig herstellen und waren deshalb bis zur Ablösung durch den Graphitstift (s. Bleistift) im 16. Jh. weit verbreitet. Bleigriffel, gefertigt aus Blei und Zinn, benötigen keine Grundierung; der Strich ist weich und verwischt leicht. Silberstifte hingegen benötigen eine Grundierung aus Kreide oder Knochenmehl und Leim, ermöglichen dafür aber einen gleichmäßigen Strich, der allerdings – i. Ggs. zum Bleigriffel – nicht korrigiert werden kann. Ebenso werden Tonmodulationen, d. h. hell und dunkel, nur durch Schraffuren erreicht, da sich der Strich durch den Druck beim Zeichnen nicht verändern lässt. Aufgrund der Härte des Materials besteht die Zeichnung immer aus feinen Linien, die zunächst hellgrau sind und sich im Laufe der Zeit durch Oxidation bräunlich verfärben.

Mezzotinto
s. Schabverfahren

Mischtechnik
Die Mischtechnik ist eigentlich ein Verfahren der Malerei, bei dem zur Variation der Oberflächen- und Farbeffekte die Farbpigmente gleichzeitig mit verschiedenen Mitteln, z. B. Pflanzenöle und Harze, gebunden werden. Vor allem seit dem 20. Jh. bezeichnet Mischtechnik darüber hinaus die gleichzeitige Verwendung verschiedener malerischer und zeichnerischer Materialien in einem Bild.

Monotypie
Für Monotypien werden in der Regel Metall- oder Glasplatten verwendet, auf die die Zeichnung aufgetragen und von dort auf Papier abgedruckt wird. Eine weitere Möglichkeit ist, die Platte komplett einzufärben und auf die Rückseite des aufgelegten Papiers zu zeichnen, sodass die Farbe an den Druckstellen haften bleibt. Wesentlich ist, dass es sich bei Monotypien um einmalige Drucke, also Unikate handelt, von denen keine Auflage existiert. So werden auch einzelne von Hand überarbeitete Blätter einer Auflage als Monotypien bezeichnet.

Niello
s. Kupferstich

Nummerierung
s. Auflage

Offsetdruck
Der Offsetdruck ist ein indirektes maschinelles Flachdruckverfahren und im Prinzip mit der Lithografie zu vergleichen, d. h. die zu druckenden Teile der Platte stoßen Wasser ab und nehmen Farbe auf, die nicht zu druckenden, wasseranziehenden Teile nehmen keine Farbe auf. Die biegsamen Metallplatten werden von Filmen oder direkt aus dem Computer belichtet. Allerdings wird – zur schnelleren und Papier schonenderen Verarbeitung – nicht direkt von der Metallplatte, sondern erst auf eine Gummituchwalze gedruckt, die das Bild auf den Druckträger überträgt. Das Papier wird dabei als Bögen (Bogenoffset) oder – für größere Auflagen – von der Rolle (Rollenoffset) eingezogen. Entstanden ist der Offsetdruck Anfang des  20. Jhs. durch den Einsatz von Rotationswalzen. Aufgrund des geringeren und kostengünstigeren Aufwands ist der Offsetdruck seit dem Zweiten Weltkrieg das verbreitetste industrielle Druckverfahren. Er ermöglicht hohe Druckauflagen (über 100.000 Abzüge) und ist durch elektronische Steuerung sehr präzise. Aufgrund der, im industriellen Druck nötigen, Zerlegung der Tonwerte in Rasterpunkte erreicht der Offsetdruck allerdings nicht die Detailgenauigkeit des Lichtdrucks.

Ölfarbe
Bei der Ölfarbe – eigentlich das klassische Mittel der Malerei – werden Farbpigmente mit Öl, in der Regel Leinöl und Terpentin, gebunden; sie ist also nicht wasserlöslich. Ölfarbe ist sehr farbintensiv, hat im pastosen, dickflüssigen Zustand eine hohe Deckkraft und weist i. Ggs. zu Acryl oder Tempera eine lange Trocknungszeit auf. Seit dem 19. Jh. werden Ölfarben industriell hergestellt und in Tuben vertrieben.

Ölkohle
s. Kohle

Originalgrafik
s. Grafik

Papier
Durch die Herstellung und Verbreitung von Papier, hat sich die Produktion der Grafik enorm erhöht. Vorher wurde insb. auf Pergament (bearbeitete Tierhaut) oder Stoff gezeichnet bzw. gedruckt. Während in China Papier schon seit dem ersten Jh. bekannt war, entstanden die ersten europäischen Produktionen erst im 13. Jh. Zunächst werden Leinenreste zerrupft, gebleicht und mit Wasser zu einem Brei vermengt. Mittels eines Siebes, durch das das Wasser ablaufen kann, werden die Fasern geschöpft, anschließend gepresst sowie getrocknet und damit zu handgeschöpftem Lumpen-, Hadern- bzw. Büttenpapier verarbeitet, benannt nach dem Rohstoff aus Lumpen (Hadern) bzw. der Bütte (dem Fass bzw. Zuber, in dem der Papierbrei schwimmt). Das Sieb bestimmt die Größe des Papiers, welches meist an den Rändern dünner wird (Büttenränder). Ebenso lässt sich die Struktur des Siebes (Rippung) und auf dem Sieb angebrachte Zeichen (Wasserzeichen) erkennen, mit deren Hilfe die jeweiligen Produktionsstätten identifiziert, d. h. die Papiere datiert und lokalisiert werden können. Im Laufe der Zeit wird das Papier durch feinere Siebe zunehmend glatter und gleichmäßig matt (Velinpapier), zudem wurden um 1800 erste Papiermaschinen entwickelt, die den Produktionsprozess rationalisierten. Mitte des 18. Jhs. wurde durch Friedrich G. Keller die Papiergewinnung durch gewässertes und gemahlenes Holz entdeckt, später dann aus Holz und Gräsern Zellulose gewonnen und als Grundstoff verarbeitet. Zur Qualitätssteigerung kann die Oberfläche mit Leim bestrichen und gewalzt (Satinpapier) oder mit verschiedenen Stoffen, wie z. B. Kreide oder Barytweiß, bestrichen werden (gestrichene Papiere). Für manuelle grafische Techniken ist die Oberfläche dann allerdings zu verschlossen und saugt die Farbe weniger gut auf. Hier wird eher Papier mit langen Fasern bevorzugt wie Hadern- oder Japanpapier, das aus dem Bast des Maulbeerbaums, inzwischen auch aus Zellulose, hergestellt wird.

Pastell
Pastellstifte, aufgrund des Kreideanteils auch Pastellkreiden genannt, sind seit dem 15. Jh. bekannt und bestehen aus einer Mischung von Farbpigmenten mit wasserlöslichen Bindemitteln. Sie sind nicht abriebfest und haften daher eher an rauen Untergründen. Auch wenn die Farben nicht vermischt werden können, ermöglicht Pastell vielfältige Kontraste und Farbabstufungen. Durch die Materialkonsistenz und den typischen verwischenden Auftrag hat das Pastell eine ausgesprochen samtartige, malerische Wirkung. Mit Zusätzen von Öl oder Wachs wird das Material haftbarer, verliert aber an seiner typischen Farbqualität. Pastell diente zunächst zur Kolorierung von Kohle- oder Kreidezeichnungen, wurde aber vor allem im 18. Jh. in Frankreich als eigenständiges Verfahren angewandt.

Pergament
s. Papier

Pinsel
Seit der Frührenaissance ist der Pinsel weit verbreitetes Mittel zur Übertragung von Farben, vor allem um eine zur Feder gegensätzliche malerische Wirkung zu erzielen. Die Auftrags- und Anwendungsmöglichkeiten sind zahlreich, deshalb findet man den Pinsel sowohl in Kombination mit anderen wie als selbstständiges Zeichenmittel. Um unterschiedliche Effekte zu erzielen, werden sie in einem breiten Sortiment von dünnen bis dicken Pinseln aus Naturhaaren oder -borsten (später auch Kunstfasern) hergestellt. Eine besondere Rolle kommt dem Pinsel in der ostasiatischen Kunst zu, insb., weil in der Kalligraphie mit dem Pinsel geschrieben wird.

Pinsellithografie
s. Lithografie

Prägedruck
Beim Prägedruck (Hochdruck) sind die Platten meist aus Messing oder Stahl. Die ausgeschnittenen Formen werden in das Material eingedrückt, wodurch sich eine reliefartige Struktur bildet. In der Regel werden dazu Hebelpressen mit einer hohen Druckkraft verwendet. Vergleichbar ist der Reliefdruck, bei dem zwei Platten gegeneinander gedrückt werden, wobei die eine erhöhte und die andere passende vertiefte Formen aufweist, mit denen der Bildträger gleichzeitig von beiden Seiten geprägt wird.

Probedruck
s. Auflage

Punktierstich
s. Punzenstich

Punktierverfahren (Punktiermanier)
s. Crayon-Manier

Punzenstich
Der Punzenstich (Tiefdruck) ist das tiefdruckende Äquivalent zum hochdruckenden Schrotschnitt (vgl. Metallschnitt). Mittels Punzen (eine Art Meißel, mit rundem oder eckigem Kopf, dessen Fläche graviert ist) werden Vertiefungen in die Platte geschlagen, die dann, wie beim Kupferstich, zum Drucken mit Farbe gefüllt werden. Werden die Punkte bzw. Vertiefungen mit einem Grabstichel gefertigt, spricht man von Punktierstich. Die Punkte sind dann nicht rund, sondern dreieckig und weisen möglicherweise ebenfalls Gravierungen auf. Der Punktierstich wird meistens als ergänzende Technik beim Kupferstich angewandt; als eigenständige Form findet man ihn vor allem im 18. Jh. in England.

Radierung
Die Radierung entstand im 16. Jh. und ist eine chemische Weiterentwicklung des Kupferstichs. Die Druckplatte wird mit einem säurefesten Ätzgrund (aus Harz, Wachs und Asphalt) überzogen und zusätzlich geschwärzt, damit sich die Zeichnung abhebt. In diesen Grund wird mit einer Radiernadel gezeichnet. Anschließend wird die Platte in Salpetersäure oder Eisenchlorid getaucht und dadurch die freien Stellen, d. h. die Zeichnung, in die Platte geätzt. Durch Abdecken einzelner Teile und Wiederholen des Vorgangs können unterschiedlich tiefe Ätzungen gefertigt und damit mehr oder weniger Farbe für den Abdruck aufgenommen werden. Nach Entfernen des Ätzgrundes kann die Platte eingefärbt, die Oberfläche gewischt und dann gedruckt werden. Eine Variante ist die Vernis mou (Weichgrundätzung), bei der der Ätzgrund sehr weich ist und auf einem darüber gelegtem Papier gezeichnet wird. Der Ätzgrund bleibt an den gezeichneten Stellen auf dem Papier haften und die Platte kann nun geätzt werden. Radierung und Vernis mou sind der Zeichnung sehr ähnlich. Da die Platte nicht gestochen werden muss und sich die Nadel wie ein Stift führen lässt, ist der Vorgang für den Zeichner viel einfacher auszuführen. Während z. B. beim Holzschnitt oder Kupferstich, insb. bei der Reproduktionsgrafik, für die Übertragung einer Vorlage auf die Druckplatte oft Spezialisten beschäftigt wurden, liegt die Ausführung der Radierung meist in der Hand des Künstlers.

Reibedruck
Beim Reibedruck (Hochdruck) wird der Papierbogen auf den eingefärbten Druckstock aufgelegt und durch Reiben von Hand abgedruckt. Vergleichbar ist die Frottage, bei der durch Abreiben die Form bzw. deren reliefartige Oberfläche sichtbar wird.

Reliefdruck
s. Prägedruck

Reproduktionsgrafik
s. Grafik

Rötel
Die rote Kreide besteht aus Roteisenstein, einem Gemisch aus Ton und Eisenocker, und ist der Natur- und Kunstkreide (s. Kreide) ähnlich, d. h. Rötel ist weich, lässt sich gut verwischen und wird deswegen vor allem für plastische Gestaltungen bzw. für Licht- und Schattenmodulationen bei Köpfen und Akten eingesetzt. Rötel lässt sich durch einen Stift auftragen, als Pulver wischen oder auch lavierend mit einem Pinsel auftragen. Nördlich der Alpen weniger angewendet, findet man Rötelzeichnungen zunächst in Italien und insb. in Frankreich im 18 Jh.

Schabverfahren
Das Schabverfahren (Tiefdruck), auch Mezzotinto oder englische Manier genannt, zeichnet sich vor allem durch vielfältige Abstufung der Töne und weiche Übergänge aus. Hierzu wird zunächst die gesamte Kupferplatte mit einem Wiegemesser (Granier- oder Grabstahl) gleichmäßig aufgeraut, um dann mit Schaber und Polierwerkzeugen die Flächen glättend zu bearbeiten. Da die Farbe an den gerauten Stellen haften bleibt, erhellt sich je nach Poliergrad der Ton, die Zeichnung wird also aus dem Dunkel heraus gearbeitet. Das Verfahren wurde 1642 von Ludwig von Siegen erfunden und verbreitete sich vor allem in England.

Schrotschnitt
s. Metallschnitt

Sepia
s. Tinte

Serigrafie
s. Siebdruck

Siebdruck
Der Siebdruck ist ein Durchdruckverfahren, bei dem Farbe durch ein engmaschiges Sieb (aus Seide, Nylon oder Polyester) gedrückt wird. Die Zeichnung entsteht durch Schablonen, die vorher auf das Netz übertragen wurden. Die Übertragungsmöglichkeiten sind vielfältig: Das Sieb kann partiell durch Leim, Wachs oder mittels Schablonen abdeckt werden oder es kann (nach Behandlung zur Lichtempfindlichkeit) belichtet werden. Die Farbe wird durch das Sieb gepresst und legt sich an den nicht abgedeckten Stellen auf das Papier. Der Siebdruck ist einfach in der Anwendung und erlaubt einen gleichmäßigen und intensiven Mehrfarbendruck; zudem kann industriell auf nahezu alle Materialien gedruckt werden. Je nach Auflage kann der Siebdruck manuell oder mit halb- sowie vollautomatischen Maschinen erfolgen. Die Abzüge bezeichnet man als Serigrafien.

Signatur
Die Signatur ist üblicherweise die Originalunterschrift des Künstlers und bezeugt auf jedem Abzug, dass die Druckplatte, deren Vorlage oder die Zeichnung von ihm selbst angefertigt wurde. Dabei kann der Druckvorgang von ihm selbst oder einem Drucker ausgeführt werden.

Silberstift
s. Metallstift

Stahlstich
s. Kupferstich

Steindruck
s. Lithografie

Steinkreide
s. Kreide

Tempera
Bei der Tempera werden die Pigmente mit einer Emulsion aus Öl und Wasser bzw. Leim gebunden. Überwiegend findet man Ei- und Kaseintempera, benannt nach den Zusätzen in der Emulsion. Temperafarben zeichnen sich dadurch aus, dass sie relativ schnell trocknen und die Oberfläche wenig anfällig ist. Dafür ist das Material spröde und unterschiedliche Farbtöne sind schlecht miteinander zu verreiben, d. h. Farbübergänge schwierig zu gestalten. Aus diesen Gründen wurde die hauptsächlich im Mittelalter verwendete Tempera seit dem 15. Jh. durch die Ölmalerei verdrängt.

Tiefdruck
Als Tiefdruck werden alle Verfahren bezeichnet, bei denen die Farbe in Vertiefungen sitzt. I. Ggs. zum Hochdruck bleibt die Oberfläche der Platte frei von Farbe. Tiefdruckverfahren unterscheiden sich durch die Art und Weise wie die Vertiefungen auf die Druckplatte gebracht werden. Bei Stichverfahren, auch trockene Verfahren genannt, wird die Platte direkt von Hand bearbeitet; hierzu gehören Kupferstich, Kaltnadel- und Schabverfahren, Niello, Punzen- und Punktierstich sowie der Stahlstich. Bei Ätzverfahren, auch nasse Verfahren genannt, wird die Zeichnung durch säurehaltige Mittel eingefressen; hierzu gehören z. B. Radierung, Aquatinta, Crayon-Manier, Farbradierung und Vernis mou. Vor allem im 19. Jh. findet man zahlreiche Mischformen, bei denen z. B. ein geätzter Druck durch Stichtechniken ergänzt wird. Vorläufer des Tiefdruckverfahrens ist die Gravierung, das Anbringen von Bildern und Ornamenten auf Steinen, Knochen und Metallen durch Ritzungen.

Tinte
Tinte ist ein Sammelbegriff für Schreib- und Zeichenflüssigkeiten, die meist mit der Feder oder dem Pinsel aufgetragen werden. Sie ist von intensiver Farbe und wird vom Papier gut aufgesogen. Man unterscheidet verschiedene Arten, insb. Schreib- oder Eisengallustinte, Bister, Sepia und Tusche. Die Schreib- oder Eisengallustinte besteht aus Gallusgerbsäure und Eisensulfat, deren Rezeptur, z. B. zur Lichtechtheit, immer weiter verbessert wurde, bis sie schließlich seit dem 19. Jh. chemisch hergestellt wird. Nicht-chemische Tinte verfärbt sich aufgrund des Eisenanteils durch Oxidation bräunlich und greift das Papier an (Tintenfraß). Bister entsteht durch eine Mischung aus Holzruß, Leim sowie Wasser und ist je nach verwendeter Holzsorte von bräunlichem Ton, golden oder rotbraun. Sepia hingegen – die Tinte des Tintenfisches und seit Mitte des 18. Jhs. in Gebrauch – ist in der Farbe eher kühl, graubraun mit einem blauen oder grünlichen Schimmer.
Während Tinte meist zum Schreiben verwendet wird, bevorzugt man zum Zeichnen Tusche. Schwarze Tusche besteht aus Kohlen- oder Rußpigmenten, gewonnen aus der Verbrennung von Öl, Gas, Wachs oder Holz, die mit wasserlöslichen Mitteln gebunden werden. Das Gemisch wird gepresst und zum Zeichnen in Flüssigkeit aufgelöst. Heute besteht Tusche aus unterschiedlichen Pigmenten und Bindemitteln. Zunächst meist als Lavierung benutzt, wird die Tusche seit dem 17. Jh. zunehmend als eigenständiges Zeichnungsmittel eingesetzt. Sie trocknet gut auf, ist deckend und verändert sich – i. Ggs. zur Tinte – nicht.

Tusche
s. Tinte

Umdruckverfahren
Der Umdruck ist ein Verfahren der Lithografie, bei dem nicht direkt auf den Druckstein gezeichnet, sondern bei der die Zeichnung (oder die Originaldruckform) erst auf wasserlöslich beschichtetes Papier (Umdruckpapier) aufgebracht und dann auf den Stein übertragen, d. h. umgedruckt, wird. Die fetthaltige Farbe bleibt auf dem Stein haften, von dem dann die Abzüge gedruckt werden können. Die Vorteile liegen darin, dass die Zeichnung nicht direkt auf den Stein aufgetragen werden muss. Zudem können auf einfache Weise Reproduktionen angefertigt und verschiedene Abbildungen auf einen Stein übertragen werden.

Vernis mou
s. Radierung

Wasserzeichen
s. Papier

Weichgrundätzung
s. Radierung

Weißkreide
s. Kreide

Weißschnitt
Der Weißschnitt (Hochdruck) findet vor allem im 16. Jh. sowohl bei Holz- wie auch Metallschnitten Verwendung. Die Zeichnung wird in den Druckstock eingeschnitten oder geritzt und die Farbe auf die erhöhten Elemente aufgetragen, so dass die Flächen gedruckt erscheinen, wohingegen die Linien der Darstellung weiß bleiben.

Zeichnung
Die Zeichnung ist ein Bild, das in der Regel durch Striche und Linien ein Motiv darstellt, i. Ggs. zur Malerei, bei welcher die Darstellung eher durch Farben und Tonwerte strukturiert ist. Allerdings sind die Grenzen fließend; so weisen z. B. Pinselzeichnungen ebenso Farb- und Tonwerte auf. Meist wird unter einer Zeichnung heute die freie künstlerische Zeichnung, auch autonome Zeichnung genannt, verstanden und damit von anderen Bereichen, wie z. B. die Architektur- und Bauzeichnung, abgegrenzt. Eine weitere Klassifizierung der Zeichnung ist von ihrer Funktion abhängig. Neben der autonomen Zeichnung finden sich zahlreiche Formen, die an einen Zweck gebunden sind, z. B. als Skizzen oder Entwürfe für andere Werke, als Vorzeichnung, die dann in anderen Techniken übermalt wird, als Studie, d. h. dem Erproben von Einzelheiten oder als Reproduktion (vgl. Reproduktionsgrafik). Des Weiteren werden Zeichnungen nach den jeweiligen Zeichenmitteln und Materialien unterschieden wie z. B. Feder-, Pinsel-, Tuschezeichnung oder Aquarell.

Zinkätzung
Bei der Zinkätzung (Hochdruck) wird die Zeichnung mit einer säurefesten Flüssigkeit, z. B. Asphaltlack, auf eine Zinkplatte aufgetragen und das nicht bezeichnete Metall, in der Regel mit verdünnter Salpetersäure, weggeätzt. Da die Zeichnung erhöht stehen bleibt, kann der Druckstock wie beim Hochdruck eingefärbt und gedruckt werden.

_______________________________________________________________

Literaturhinweise

Dückers, Alexander (Hrsg.): Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung. Berlin 1994

Das große Lexikon der Graphik. Braunschweig 1984

Klein, Heijo: DuMont’s kleines Sachwörterbuch der Drucktechnik und der grafischen Kunst. Köln 19815

Koschatzky, Walter: Die Kunst der Graphik. Technik, Geschichte, Meisterwerke. Salzburg 19732

Koschatzky, Walter: Die Kunst der Zeichnung. Technik, Geschichte, Meisterwerke. Salzburg (Graphische Sammlung Albertina) 1977

Linden, Fons van der: DuMont’s Handbuch der grafischen Techniken. Manuelle und maschinelle Druckverfahren, Hochdruck, Tiefdruck, Flachdruck, Durchdruck, Reproduktionstechniken, Mehrfarbendruck. Köln 1983